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Am 29.03.2017 nach Unterrichtsende trafen sich 15 geschichtsinteressierte Schülerrinnen und Schüler mit dem Zeitzeugen Herrn Neubert, der aus seinem Leben in der DDR, von seinen Erfahrungen mit der Stasi und seinen Erlebnissen in den DDR-Gefängnissen berichtete. Organisiert und begleitet wurde diese Begegnung von der Geschichtslehrerin Frau Leppin.

Für die Schülerinnen und Schüler war es ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, der auf Grund seiner Prinzipientreue, seiner Standfestigkeit, seinem unerschütterlichen Willen und seiner schier unendlichen Kraft den allergrößten Respekt verdient und die Zuhörer mit einer offenen, persönlichen und gleichzeitig recht emotionalen Erzählweise begeisterte. 

Herr Neubert wurde 1946 in Suhl in der späteren DDR geboren. Bereits in der Schule war er nicht bereit, seine persönliche Freiheit und Meinung der SED-Diktatur unterzuordnen. 1964 wurde er wegen versuchter Republikflucht zu 1,7 Jahren Haft in Berlin-Rummelsburg verurteilt. Nach den Erlebnissen im Gefängnis brach er alle Kontakte zu Familie und Freunden ab, um nie mehr von der Stasi erpressbar zu sein, denn er hatte die Zersetzungsmaßnahmen und Verhörmethoden der Staatssicherheit am eigenen Leib erfahren müssen.

Als Herr Neubert zum Wehrdienst eingezogen werden sollte, wiederholte er 1972 den Fluchtversuch, scheiterte aber, und wurde daraufhin in die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Potsdam gebracht. Nach einem halben Jahr wurde er durch eine Amnestie entlassen  und konnte 1974 nach diversen Aktionen und Anträgen die DDR verlassen.

 

Trotz allem, was er in der DDR erdulden musste, bot er der Diktatur die Stirn und kämpfte für die Erlaubnis, auf legalem Weg in die BRD ausreisen zu dürfen. „Eine illegale Ausreise, sowas gab es bei mir nicht“, erklärte er auf die Frage, ob er, nachdem er es in die BRD geschafft hatte, als Fluchthelfer tätig gewesen war. Er sei der Kontaktmann in der BRD gewesen, aber er habe den Ausreisewilligen immer gesagt: „Wenn ihr aus der DDR raus wollt, dann müsst ihr auch damit rechnen, ins Gefängnis zu gehen“, antwortete er.

Es war ein Zeitzeugengespräch mit einem Menschen, der allen Widrigkeiten und Anfeindungen zum Trotz für seine Überzeugungen einstand und nie aufgehört hat zu kämpfen. Besonders beeindruckend war neben seiner bewegenden Geschichte auch seine Menschenkenntnis. In einem kleinen Exkurs demonstrierte er die Anwerbung von IMs an zwei Schülerinnen, die er, ohne sie vorher gekannt zu haben, sehr treffend einschätzte. Zwischendurch lockerte der das berührende Gespräch immer wieder mit Anekdoten oder Scherzen auf und gab auch immer wieder eindringlich Ratschläge fürs Leben. Es war Herrn Neubert sehr wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler den Wert der heutigen Demokratie erkennen, sich aber gleichzeitig ihre eigene Meinung bilden und diese selbstbewusst vertreten. Ein sehr bewegendes Gespräch mit einem bewundernswerten Menschen, das keiner der Teilnehmer so schnell vergessen wird.