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Stolpersteinverlegung 
Obwohl wir erst in diesem Schuljahr mit der Arbeit in unserem Französisch-Seminarkurs „Der gelbe Stern in Rangsdorf – L’étoile jaune à Mayet“ begonnen haben, nahmen wir schon im Juni an einer Stolpersteinverlegung für eine jüdische Rangsdorfer Familie teil. Am 2. Juni 2017 wurden zum Gedenken an die Familie Ludomer vor dem Berliner Haus, in dem die Ludomers Zuflucht fanden, sogenannte Stolpersteine verlegt. Dies sind im Boden verlegte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen
erinnern sollen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Zur Verlegung waren die Nachkommen der einzigen Überlebenden Hilma Ludomers aus Amerika angereist: Tochter Audrey Geffen und ihr Mann Richard sowie deren Töchter Amber und Mika, die extra aus Norwegen und Groß Britannien kamen. Rangsdorf war durch den Bürgermeister Klaus Rocher sowie unseren Seminarkurs und interessierte Rangsdorfer Bürger vertreten. Der Rangsdorfer Historiker Dr. Norbert Kampe, der sich für die Stolpersteinverlegung eingesetzt hatte, fasste die Geschichte der Ludomers in einer Rede zusammen:


„Die Familie Ludomer, Hilma mit Eltern und Großtante Minna, wurde durch den November-Pogrom 1938 mit dem Überfall von SA-Männern aus ihrem Haus in Rangsdorf vertrieben. Sie zogen zu Verwandten in eine Wohnung in Berlin Schöneberg, wovor jetzt auch die Stolpersteine verlegt wurden. Sie hofften, wie viele andere Juden auch, in der Anonymität der Großstadt überleben zu können. Die 17jährige Hilma und ihr Vater Arnold mussten Zwangsarbeit leisten. Nach Kriegsbeginn wurden Juden absichtlich schlechter mit Lebensmittelmarken versorgt als die sogenannten arischen Volksgenossen. Nach neun Jahren Demütigung und Verfolgung begann im Oktober 1941 der letzte, immer noch schrecklichere Abschnitt in der Geschichte der deutschen Juden: Die Deportationen in den Osten. Immer wieder fuhren die Züge mit je eintausend Juden auch aus Berlin ab. Die Verwandten wurden bereits im Januar 1942 aus der gemeinsamen Wohnung abgeholt.  Wir können uns heute wohl kaum in die Gefühle der Menschen versetzen, deren Verwandte und Freunde deportiert wurden und die wussten, dass es sie selbst auch irgendwann treffen wird. Hilmas Tagebucheinträge in diesen Monaten zeigen ihr Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, ihren Überlebenswillen und ihren Weg, sich nicht völlig lähmen zu lassen. Es war Hilmas Mutter Henriette, die ohne Wissen ihres Mannes zielstrebig das Untertauchen der Tochter plante. Mit Hilfe von nicht-jüdischen Freunden, die bereit waren, diese für sie selbst lebensgefährliche Rettung von Hilma zu wagen. Beinahe wäre dieser Plan gescheitert, als im Oktober 1942 die Gestapobeamten plötzlich in der Wohnung erschienen und zusammen mit der Mutter auf die Heimkehr von Hilma und ihrem Vater Arnold von der Zwangsarbeit warten wollten. Unter dem Vorwand, schon einmal die erlaubten drei Koffer aus dem Keller zu holen, gelang es Henriette, die Tochter rechtzeitig hier im Treppenhaus abzufangen: „Lauf fort, die Gestapo ist da uns abzuholen“. Das waren die letzten Worte und Sekunden in einer sehr liebevollen Mutter-Tochter Beziehung. Henriette und Arnold Ludomer wurden gleich bei Ankunft des Zuges in Riga erschossen und in ein Massengrab geworfen. Es sollte keinen Grabstein für sie geben. Die Stolpersteine sollen ein sichtbares Zeichen sein dafür, dass beide hier gelebt haben. Das gilt auch für Minna Stümpel, die hier in dieser Wohnung völlig vereinsamt zurückbleiben musste, bis sie im März 1943 im Alter von 84 Jahren in das sogenannte Altersghetto Theresienstadt deportiert wurde und dort starb. Hilma Ludomer überlebte versteckt, wanderte 1946 in die USA aus, heiratete und wurde Mutter von zwei Kindern. Das ist der einzige Lichtblick in dieser unendlich traurigen Geschichte.“
Wir führten interessante und bewegende Gespräche mit den Angehörigen. Die Stolpersteine sind ein Mahnmal für uns, für die neuen Generationen, das Vergangene nicht zu vergessen und ein Zeichen der Hoffnung, dass es nie wieder zu solchen Gräueltaten kommt.

Josephine Pigur, Jahrgangsstufe 11